Shalimov und Stumm im Fokus nach Trikottausch

Handball-Rheinlandliga Spielerwechsel machen das Derby Gösenroth gegen Irmenach noch brisanter – Anwurf in Sohren am Sonntag, 17 Uhr

M Gösenroth/Irmenach. Hunsrück-Derby in der Handball-Rheinlandliga: Nach dem Abstieg der HSG Kastellaun/Simmern sind nur noch die SG Gösenroth/Laufersweiler und die HSG Irmenach/Kleinich/Horbruch im Verbandsoberhaus vertreten. Nicht nur diese Tatsache macht das Aufeinandertreffen am Sonntag um 17 Uhr in der Großraumhalle Sohren zu etwas Speziellem. Auch die rege Transferaktivität zwischen den beiden Klubs im Sommer hat für ein wenig Aufruhr gesorgt. Im Fokus stehen vor allem zwei Spieler.
Daniel Stumm wird am Sonntag 32 Jahre alt. Als „Geschenk“ darf der Neu-Irmenacher das erste Mal gegen seinen Heimatverein Gösenroth antreten. Der Torjäger entschied sich im Sommer nach langem Hin und Her für Irmenach. Das haben ihm einige im Gösenrother Umfeld übel genommen. „Ich denke nicht, dass die Gösenrother Fans ihn auspfeifen werden, aber den ein oder anderen Spruch wird sich Daniel schon anhören müssen“, sagt sein neuer Trainer Markus Bach. Er wird Stumm – in der Vorsaison mit Abstand Gösenroths bester Werfer – übrigens nicht von Beginn an bringen, weil andere im Rückraum beim Tabellenführer Irmenach derzeit die Nase vorn haben. Stumm wird aber seine Spielzeit gegen den Ex-Verein bekommen. „Wenn man so einen guten Spieler hat, dann lässt man ihn nicht aus Schutz vor irgendetwas auf der Bank“, sagt Bach. „Daniel wird sicher ein mulmiges Gefühl haben, wenn er gegen uns spielt“, glaubt Gösenroths Coach Daniel Fellenzer. „Aber ich werde ihn ganz normal begrüßen. Von meiner Seite gibt es kein böses Blut. Aber es ist doch klar, dass jeder Wechsel zwischen zwei Vereinen im Hunsrück argwöhnisch betrachtet wird.“
Den umgekehrten Weg – und zwar von Irmenach nach Gösenroth – ging Max Shalimov. Nach einem Jahr Handballpause schloss sich der Linkshänder überraschend Gösenroth an. Zuvor hatte der Russe von 2006 bis 2012 für Irmenach seine Tore gemacht. Jetzt geht es für den 35-Jährigen direkt bei seinem Heim-Debüt gegen den Ex-Klub. „Das wird auch Max nicht völlig kalt lassen. Aber von allen Spielern, die in dieser Situation stecken, kann er damit bestimmt am besten umgehen“, sagt Fellenzer über den Ex-Profi. Und wie begegnet Bach seinem ehemaligen Schützling? „Ich bin Trainer, er ist Spieler des Gegners. Max wohnt ja noch in Kleinich, aber er hat sich rar gemacht. Mehr gibt es von meiner Seite da nicht zu sagen.“
Viel lieber redet Bach über Daniel Koch, der im Sommer auch von der HSG zur SG wechselte. Koch hat großes Talent und das zeigte er in den ersten drei Spielen (18 Tore) für Gösenroth. „Ich hoffe, dass Daniel den nächsten Schritt geht, denn sein Wechsel ist – überspitzt ausgedrückt – nur ein Leihgeschäft gewesen“, sagt Bach. Der Hintergrund: Irgendwann soll Koch in Irmenach auf der „Königsposition im Rückraum“ (Bach) spielen. „Wir planen vorerst auch nur diese Saison mit ihm“, sagt Fellenzer und lobt Koch: „Er macht seine Sache gut.“ Und vielleicht ist es nicht Stumm, und auch nicht Shalimov, sondern Koch, über den nach dem Derby geredet wird.
Dass Gösenroth den Irmenachern tatsächlich in die Suppe spucken kann, daran glaubt aber keiner. „Wir müssen unsere Bestleistung abrufen und Irmenach einen schwachen Tag haben. Nur dann kann es eine Überraschung geben“, sagt Fellenzer. Sein Irmenacher Kollege will nicht von einem „Selbstläufer“ reden, aber „wenn wir unsere Leistung bringen, müssen wir uns nicht um Gösenroth kümmern“, sagt Markus Bach – und rechnet fest in den nächsten Wochen mit Siegen gegen Gösenroth, Saarburg und Daun. Dann stünde Irmenach mit 12:0 Punkte vor dem Hit gegen Schweich da. „Jeder, der den Spielplan gesehen hat, fängt an zu rechnen. Mit 12:0 Punkten haben wir gerechnet, dann würden wir im Soll liegen“, sagt Bach, der erfrischend offen vom Ziel Aufstieg redet.
Ein Ausrutscher ist also ein Tabu für seine HSG. Doch Gösenroth wird mit Sicherheit mehr Gegenwehr leisten als beim letzten Duell vor fünf Monaten, als Irmenach mit 33:20 in Rhaunen gewann. Damals war Gösenroth schon sportlich abgestiegen, profitierte dann vom Weiberner Rückzug und darf deshalb weiter in der Rheinlandliga spielen. Dem Umbruch folgte ein guter Start mit 3:3 Punkten. „Wir bewerten das aber nicht über und verfallen auch nicht in Euphorie“, hält Daniel Fellenzer den Ball flach, aber er weiß, dass sich seine Mannschaft in einigen Bereichen wie Kampf und Einstellung verbessert hat. Ob die Tugenden für eine Überraschung gegen Irmenach reichen, wird sich am Sonntag in Sohren zeigen.

Rhein-Hunsrück-Zeitung vom Samstag, 28. September 2013, Seite 22